Die Kanarischen Inseln

KANAREN

Die Kanaren sind eine Inselgruppe voller Kontraste – echte Exotik innerhalb Europas. Der ganze Archipel ist vulkanischen Ursprungs. Vier Nationalparks führen den Besuchern die Vielfalt und Schönheit der Inseln vor Augen. Traumhafte Strände und eine einmalige Natur – auf den Kanaren gibt es beides.

Inseln des ewigen Frühlings

Gelegen vor der Westküste Afrikas, herrscht auf den Kanaren das ganze Jahr über Frühling. Selten wird es wärmer als 28 Grad, die Temperaturen fallen so gut wie nie unter 15 Grad. Aber das milde Klima ist nicht der einzige Grund, warum die spanische Inselgruppe zu den beliebtesten Reisezielen der Deutschen gehört. Die Kanaren haben für jeden Geschmack etwas zu bieten, sind nur vier bis fünf Flugstunden von Deutschland entfernt, und die großen Inseln werden nonstop ab Deutschland angeflogen.

La Palma: Wandern in grünen Lorbeerwäldern

La Palma ist die Regeninsel der Kanaren. Der Friesennerz darf die meiste Zeit trotzdem zu Hause bleiben, die Regenzeit beschränkt sich auf den Winter. Dafür sollten Trekkingschuhe ins Gepäck: „La Isla bonita“, die schöne Insel, wie die Einheimischen sie nennen, macht selbst Wandermuffeln Beine. Wanderrouten gibt es zuhauf, viele mit ambitioniertem Schwierigkeitsgrad. Der Nationalpark „Caldera de Taburiente“ mit seinen Pinien, Weiden, Lorbeerbäumen und einer Reihe von nur auf dieser Insel vorkommenden Pflanzen ist eine der schönsten Touren durch eine großartige Naturlandschaft. La Palma ist seit 2500 Jahren besiedelt und mit einem Netz uralter Wege durchzogen. Manche befinden sich entlang der Küste mit dramatischem Meerespanorama, andere kreuzen tiefe Schluchten oder überqueren Vulkane. Häufig führen sie an mystische, fast vergessene Orte, die mit dem Auto gar nicht zugänglich sind.

Massentourismus ist auf der nordwestlichsten der Kanarischen Inseln ein Fremdwort. Allerdings sollte man Vulkane, Felsen und Natur mögen. Das vorherrschende Bild sind schroffe Küsten mit nur wenigen Sandstränden. Langweilig wird es nie in dieser traumhaften Landschaft: Auf der Insel wachsen Drachenbaumhaine und duftende Lorbeer- und Kiefernwälder, Bananenplantagen, Mangos, Papayas und Ananas. La Palma, das von der Fläche nicht größer als Hamburg ist, erreicht Höhen von über 2400 Metern. Das kann ganz schön in die Beine gehen. Doch Ausblicke wie im Nationalpark Caldera de Taburiente, einem riesigen Vulkankrater, entschädigen dafür allemal.

Wenn es etwas gemütlicher sein darf: Südlich von San Andrés, einer der ältesten Ansiedlungen, lädt das Naturschwimmbecken La Piscina Charco Azul zum Baden ein. Gespeist wird es direkt vom Meer.

La Palma ist einer der drei weltbesten Plätze für die Sternbeobachtung, neben Hawaii und der Atacamawüste in Chile. Hier gibt es sogar ein Gesetz gegen Lichtverschmutzung.

Teneriffa: Hier ist Spaniens höchster Berg zuhause

Die größte Insel des Kanaren-Archipels hat im Süden das ganze Jahr Sonne. Im regenreichen Norden fühlen sich dagegen dichte Wälder und Pflanzen verschiedener Klimazonen wohl.

Die Attraktion ist der Teide. Spaniens höchster Berg ist ein Vulkan, er streckt sich 3718 Meter hoch in den Himmel. Vor rund 200 Jahren hat er zuletzt Feuer und Schwefel gespuckt, seitdem regt er vor allem die Fantasie an.

Der Teide Nationalpark liegt im Zentrum der kanarischen Insel Teneriffa. Wer in dem 19.000 Hektar großen Nationalpark unterwegs ist, wähnt sich eher auf dem Mond als in Spanien. Die Landschaft hier besteht fast ausschließlich aus scharfkantigen Felsen, spitzem Lavageröll und unwirtlichen Böden. Den Nationalpark durchziehen 21 Wanderwege. Einer führt auf den Gipfel des Pico del Teide. Eine Seilbahn bringt die sportlich weniger ambitionierten Besucher zur Station auf gut 3500 Metern. Wer ganz nach oben will, braucht eine Sondergenehmigung, die er vorher bei der Nationalparkverwaltung beantragen muss. Die Höhenunterschiede machen dem Körper zu schaffen, doch wer es ganz nach oben geschafft hat, wird belohnt. Denn Spaniens höchster Berg bietet nicht nur einen großartigen Ausblick auf die Vulkanlandschaft, sondern auch auf die Insel Gran Canaria.

Fuerteventura: Einige der schönsten Strände Europas

Feiner, heller Sand erstreckt sich bis zum Horizont, 150 Kilometer Strand säumen die Küsten.

Darum gilt die zweitgrößte der Kanaren als das Badeparadies schlechthin. In Surferkreisen wird sie das „europäische Hawaii“ genannt. Der Passatwind bringt die Thermik, die jeden Surfer süchtig macht. Im Juli und August trifft sich die Elite am Playa de Sotavento, um die Weltmeisterschaft im Speedsurfen auszutragen. Echte Könner treffen sich zudem am nördlichsten Zipfel, der Punta de la Tinosa, die Brecher dort sind gewaltig.

Neben den Surfern sind ganz normale Sonnenanbeter die Könige von Fuerteventura. Ob in den Ferienzentren von Corralejo im Norden oder auf der Halbinsel Jandía im Süden der Insel, der Freikörperkultur wird allerorten nach Kräften gehuldigt.

Nur eine Gruppe Lebewesen scheint auf „Fuerte“ noch zahlreicher vertreten: Ziegen. 70.000 Milchziegen bevölkern die Insel, 20.000 wilde Ziegen kommen hinzu. Das ist durchaus ein ökologisches Problem, denn die Tiere fressen die letzten grünen Triebe.

Lanzarote: Schwarze Vulkanlandschaften

Diese Insel macht nicht jeden an. Das schwarze Lavagestein und die auf der Welt einzigartige Vulkanlandschaft verursachen bei vielen Besuchern ein Gefühl von Verloren sein. Eine derart von Kratern übersäte Oberfläche kennt man sonst nur von Bildern vom Mond.

Lanzarote hat nie mehr ein Pflanzenkleid bekommen, seit die Vulkanausbrüche im 18. Jahrhundert die einst bewaldete und fruchtbare Insel verwüsteten. Heute trägt Lanzarote konsequent Schwarz, und das macht ihren Reiz aus. Schwarz lässt alle anderen Farben leuchten. Meer und Himmel, die seltenen Blumen, das saftige Grün der Weinstöcke.

In La Geria wird der Wein in Trichtern aus Lavakies angebaut. Ein geniales System: An den grobporigen Basaltkieseln setzt sich die Feuchtigkeit aus den Passatwolken des Nachts als Tau ab und wird an den Mutterboden abgegeben. Bei Tag schützt die Kiesschicht den Boden gegen Austrocknung. Das Weinanbaugebiet La Geria ist das größte der Kanarischen Inseln, rund 5000 Hektar werden hier bewirtschaftet. Mühsam von Hand geschaufelte Kuhlen und Mauern, die Stein für Stein errichtet wurden, schützen die Weinstöcke vor starkem Wind.

Der Nationalpark Timanfaya liegt im Südwesten der kanarischen Insel Lanzarote. Wer die Montañas del Fuego (die Feuerberge) besuchen will, begibt sich auf einen 14 Kilometer langen Rundweg durch den Nationalpark. Die Straße war 1950 anlässlich eines Besuchs des spanischen Diktators Francisco Franco angelegt worden. Sie führt durch eine eindrucksvolle Mondlandschaft aus Lava, die immer wieder reizvolle Blicke auf den Atlantik gewährt. Die vier Elemente Wasser, Feuer, Luft und Erde offenbaren im Nationalpark Timanfaya ihre ganze Faszination.

Nur sechs bis acht Meter unter der Erdoberfläche herrschen Temperaturen von etwa 400 Grad Celsius. Um das zu veranschaulichen, spießt ein Mitarbeiter des Nationalparks trockenes Gestrüpp auf eine Forke und füttert damit eine Bodenöffnung. Es dauert nur wenige Momente, bis die Hitze des Magmas den Strauch entflammt. Eine weitere Demonstration besteht darin, Wasser in ein Loch im Erdboden zu gießen. Kurz darauf schießt das Wasser plötzlich in einer mehrere Meter hohen Fontäne als Wasserdampf nach oben. Dann verschwindet es ebenso schnell, wie es zuvor emporstieg.

Dafür, dass auf Lanzarote Bausünden vermieden wurden, unter denen andere Urlaubsziele leiden, sorgte der Maler, Architekt und Bildhauer César Manrique (1919–1992). Er schuf auf der Insel nicht nur etliche Häuser, sondern auch den Aussichtspunkt Mirador del Río, der einen großartigen Blick auf die Insel La Graciosa bietet. Das Restaurant, das Manrique entwarf, ist in den Lavafelsen integriert. César Manrique baute auch die Grotte Jameos del Agua bei Arrieta im Norden der Insel zu einem touristischen Zentrum um. Die Grotte ist Teil eines Systems unterirdischer Vulkanflüsse. Auf dem Grund der Höhle befindet sich eine Lagune mit einer einzigartigen Spezies blinder Krebse. Neben einer Konzerthalle gehört auch ein Swimmingpool zu der Anlage. Den elegantesten Kontrast zur Lavalandschaft bilden die weißen Häuserkuben von César Manrique. Manrique war ein Allroundkünstler, der nach Stationen in Madrid und New York 1968 auf seine Geburtsinsel zurückkehrte, wo er 1992 bei einem Autounfall starb. Ihm ist es zu verdanken, dass auf Lanzarote ein Gleichgewicht zwischen Tourismus und Ökologie geglückt ist. Er setzte Reklameverbote durch, erreichte, dass Telefon- und Hochspannungsleitungen teilweise unterirdisch verlegt wurden. Manrique hat ein riesiges Erbe hinterlassen. Sein Wohnhaus in der Nähe von Tahiche lädt zu einer Entdeckungsfahrt in seine Welt. Fünf miteinander verbundene Lavablasen stellen den Kern des Anwesens dar und wurden als Wohnzimmer, Atelier und Schlafräume genutzt.

Gran Canaria: Bars oder Buchten und weiße Bergdörfer

Beton, Bettenburgen und Partymeilen – Gran Canarias Südküste hat nicht eben den besten Ruf. Aber wer abfeiern möchte, ist in Maspalomas und Playa del Inglés richtig. Hunderte Restaurants werben um Kunden, Cafés und Bars sind bis nach Mitternacht geöffnet.

Doch Gran Canaria hat mehrere Gesichter, nicht nur das aufdringliche in den Ferienzentren. Wer das Inselinnere erkundet, staunt über tiefe Schluchten, abgelegene Bergdörfer, verschwiegene Buchten und leuchtend grüne Stauseen. Serpentinen winden sich um Felsnasen, eröffnen Ausblicke auf an Hängen klebende, schneeweiße Dörfer. Der Cruz de Tejeda ist der höchste Pass der Insel und begeistert mit einem Naturschauspiel: Vom feuchten Norden schwappen Wolken über den Kamm – und lösen sich auf in der trockenen Luft des Südens.